Wohnen im Alter

Der Anteil der betagten und hoch betagten Menschen in der Schweiz nimmt stetig zu. Bis im Jahr 2025 wird jede fünfte Person über 65 Jahre alt sein, bis im Jahr 2035 gar jede vierte. Rund 800'000  Personen werden dann 80-jährig oder älter sein. Für eine alternde Gesellschaft stellt es daher eine zentrale Herausforderung dar, diesen Menschen auch künftig geeigneten Wohnraum anzubieten. 

Wohnung aus dem Projekt, welches mit dem Age Award 2005 ausgezeichnet wurde
© Age-Stiftung / Ursula Meisser

Unabhängigkeit bewahren

Die hohe Lebenserwartung stellt alte Menschen, ihre Angehörigen, Politik und Gesellschaft vor neue Aufgaben. Der Lebensabschnitt nach der Berufs- und Familienphase bis zum Zeitpunkt erhöhter Fragilität, wo vermehrt mit körperlichen und mentalen Beeinträchtigungen zu rechnen ist, dauert heute länger. Viele Betagte wollen ihre Unabhängigkeit in der eigenen Wohnung möglichst lange behalten. Die Gestaltung der Wohnung gewinnt dadurch an Bedeutung, dasselbe gilt für die Wohnkosten und die Wohnsicherheit. Auch der Standort des Wohngebäudes und die unmittelbare Umgebung werden als Faktoren immer wichtiger, da sie grossen Einfluss auf die Möglichkeiten haben, sich am gesellschaftlichen Leben zu beteiligen, Besorgungen zu machen oder alltägliche Dienstleistungen zu nutzen.

Unterschiedliche Bedürfnisse und Vorlieben

Die meisten älteren Menschen brauchen kein spezielles Wohnangebot, abgesehen von hindernisfreiem Wohnraum an gut erschlossenen Lagen und in der Nähe von Einkaufsmöglichkeiten. Eine der Herausforderungen besteht somit darin, dass es nur sehr wenig preisgünstige, kleine Wohnungen gibt, insbesondere in den Zentren. Für den kleinen Teil der über 65-jährigen Menschen, die auf Hilfe angewiesen ist, existiert mittlerweile ein breites Betreuungsangebot zu Hause: von Notrufsystemen über Pflege- und Haushaltshilfen bis hin zur Lieferung fertiger Mahlzeiten. Gleichzeitig entstehen vielfältige Wohnraumangebote, die auf die immer individuelleren Bedürfnisse eingehen. So etwa Siedlungen mit spezifischen Dienstleistungsangeboten, «Cluster»-Wohngemeinschaften oder speziell an die Ansprüche älterer Menschen angepasste Gebäude, die zum Teil in Projekte zur Förderung der Generationenverständigung integriert sind. Etwa ein Viertel der über 80-Jährigen schliesslich ist auf tägliche Hilfe und somit auf das Wohnen in einer geeigneten Einrichtung angewiesen.

Hindernisfreies Wohnen

Ein wichtiger Aspekt beim Wohnen im Alter ist die hindernisfreie Gestaltung von Wohnraum und Wohnumfeld. Der einfache Zugang und die uneingeschränkte Nutzung von Räumen, Bauten und Anlagen bilden für Menschen mit Gehbehinderungen eine Voraussetzung, um möglichst lange selbstständig wohnen zu können und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Drei Grundanforderungen gilt es deshalb bei jeder Planung zu beachten: keine Stufen, ausreichende Durchgangsbreite, genügend grosse Bewegungsflächen auch für Personen im Rollstuhl oder mit Gehhilfen.

Hemmnisse beim Wohnungswechsel

Aber nicht nur beim Bau von Wohnungen, auch bei der Vermarktung (Vermietung und Verkauf) sowie bei der Liegenschaftsverwaltung sollten die Bedürfnisse älterer Menschen stärker berücksichtigt werden, beispielsweise indem ihnen persönliche Ansprechpersonen zur Verfügung gestellt werden. Im Alter kann ein Wohnungswechsel während der Suche, dem Umzug und der Eingewöhnung nämlich mit grossen Anstrengungen verbunden sein. Deshalb wollen sich ältere Menschen besonders sicher sein, bevor sie sich für einen Wohnungswechsel entscheiden. Die Wohnungsanzeigen sollten entsprechend detailliert und umfassend sein und der Vermarktungsprozess muss älteren Menschen für die Entscheidungsfindung genügend Zeit lassen.

Weitere Informationen

Dokumente

Age Impuls - Juli 2017 (PDF, 1 MB, 02.08.2017)Siedlungs- und Wohnassistenz: Anlaufstelle für Ältere mitten im Quartier

Age-Dossier 2015 (PDF, 4 MB, 03.06.2016)Gemeinschaftsräume für alle Generationen

Wohnen im Alter: gestern – heute – morgen (PDF, 4 MB, 08.01.2013)Age Dossier 2012 - Jubiläumsausgabe 2012 - Age Stiftung

«Und so sind wir geblieben …» (PDF, 2 MB, 05.06.2013)Ältere Migrantinnen und Migranten in der Schweiz


Referate

Das moderne Stöckli – neues Generationenwohnen (PDF, 739 kB, 05.06.2013)Leben & Altwerden – einsam oder gemeinsam - Referat vom 21. Okt. 2011 von Verena Steiner, BWO

Wohnsituation und Wohnformen der älteren Bevölkerung (PDF, 38 kB, 09.09.2008)schriftliche Zusammenfassung eines Referats am Kongress «Wenn das Haus zu gross wird...» des Schweizerischen Verbandes für Seniorenfragen vom 4. September 2008 in Bern

https://www.bwo.admin.ch/content/bwo/de/home/wie-wir-wohnen/alter.html