Veröffentlicht am 17. Februar 2022
Grenchner Wohntage 2003
Die Veranstaltungen im Überblick
Ausstellung - 16.10.2003 bis 29.02.2004
Tripoli – wohnen und leben mit italienischen Tunnelbauern
In der Barackensiedlung Tripoli lebten von 1911 bis 1915 mehr als 1'000 italienische Personen. Sie waren angereist, um im harten Tunnelbau ihr Einkommen zu verdienen. Ein paar Aufnahmen und Postkarten belegen, dass die Arbeitersiedlung existierte. Die meisten Spuren aber sind verschwunden. So wurde aus der Tripolistrasse die Alpenstrasse. Einer der drei letzten Bauzeugen aus den Anfängen der Siedlung, das Alte Spitälchen, wurde 1980 abgerissen. Das ehemalige Restaurant Sonne allerdings steht noch.
Das Kultur-Historische Museum Grenchen präsentiert in einer Ausstellung, einer begleitenden Broschüre und anhand verschiedener Referate den Alltag in der Siedlung. Erzählt werden Geschichten rund um die Siedlung und den Tunnelbau. Beides hinterliess in der Stadtgeschichte Grenchens Spuren.
Ausstellung - 18.10. bis 16.11.2003
Kunst im öffentlichen Raum
Kunstobjekte prägen einen Bau oder einen Platz. Sie dienen der Wiedererkennung, der Gestaltung, als Identitätsstifter und als Treffpunkt. Kunst im öffentlichen Raum ist ein Instrument, um die Wohnqualität einer Stadt, eines Quartiers oder eines Gebäudes zu steigern. Die Stadt Grenchen besitzt rund 140 solcher Kunstwerke, die das Stadtbild prägen. Das Amt für Kultur und die Baudirektion der Stadt Grenchen präsentieren in einem Führer 15 repräsentative Objekte. Die Fotos realisierte der Grenchner Fotograf Christoph Wider, Text Rainer W. Walter. Begleitet wird diese Publikation von einer Ausstellung aus der Grafiksammlung der Stiftung Kunsthaus Grenchen. Im Keller des Kunsthauses sind die Originalfotos von Christoph Wider in einer Fotoausstellung zu sehen.
Claude Barbey, Stadtbaumeister, führt durch die Vernissage.
Fachtagung - 28.10.2003
Wohnen und soziale Integration
Behörden, Vermieter- und Bewohnerschaft sind zunehmend konfrontiert mit Zweckentfremdung des öffentlichen Raumes, mit Vandalismus, Konflikten zwischen verschiedenen Bewohnergruppen, hohen Fluktuationsraten oder überdurchschnittlichen Wohnungsleerständen. Diese Aspekte der sozialen Desintegration werden in der Regel in einem engen Zusammenhang mit der Ausländerproblematik diskutiert. Oft wird übersehen, dass auch strukturelle Defizite der Siedlungen einen Anlass dafür bieten. Was können Bauträger, Behörden und die Bewohnerschaft tun, um die Integration
und das Zusammenleben von Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen zu fördern?Referentinnen und Referenten:
- Ina Boesch: Kulturwissenschaftlerin und Journalistin
- Sandro Cattacin: Direktor Forum für Migrations- und Bevölkerungsstudien, Neuchâtel
- Peter Gurtner: Direktor Bundesamt für Wohnungswesen
- Rodolfo Keller: Geschäftsführer Logis Suisse SA
- Thomas Kessler: Delegierter für Migrations- und Integrationsfragen des Kantons Basel-Stadt
- Verena Steiner: wissenschaftliche Mitarbeiterin, Bundesamt für Wohnungswesen
Die Handouts
Podiumsdiskussion - 04.11.2003
Verdichtung am Ende? Warum tut sich die Politik mit der planerischen Zielsetzung schwer?
Die Grundsätze wie haushälterische Nutzung des Bodens, geordnete Besiedlung und verdichtetes Bauen stossen vermehrt auf Widerstand. Die erwünschte Siedlungsentwicklung und die geforderte Verdichtung nach innen geraten in Konflikt. Die Gemeinden fühlen sich im Würgegriff der Raumplanung. Mehrfamilienhäuser haben ein schlechtes Image, werden als "unerwünschte Blöcke" disqualifiziert. Fremdenfeindlichkeit macht sich bemerkbar. Verdichteter Wohnungsbau gerät vorweg zum unwillkommenen Szenario mit schlechten Steuerzahlern und sozialen Problemen. Im Widerspruch zu ortplanerischen Grundsätzen stehen also nicht nur Frau und Herrn Schweizers Wunsch nach dem eigenen Häuschen auf dem Lande, sondern neuerdings vermehrt auch politische Absichten. Weshalb differenziert der öffentliche Diskurs vieler Gemeinden nicht zwischen Wohnmaschinen-Ghetto und Einfamilienhaus-Idylle? Sind die vielen positiven Beispiele verdichteter Siedlungen zu wenig bekannt, oder repräsentieren sie eine Minderheit? Welches sind die wirklichen Zusammenhänge zwischen
Sozial- und Wohnbaupolitik?An der Podiumsdiskussion nehmen teil:
- Jacques Blumer: Architekt, Atelier 5
- Theophil Frey: Gemeindepräsident Dulliken
- Rico Kessler: Projektleiter Umweltpolitik, Pro Natura
- Hans Saner: Philosoph
- Moderation; Thomas Steinbeck: Präsident Architekturforum im Touringhaus